Schweizerischer Samariterbund
Schweizerischer Samariterbund
Martin-Disteli-Strasse 27
4601 Olten
Telefon 062 286 02 00
Fax 062 286 02 02
office@samariter.ch

Zentralpräsidentin Monika Dusong im Gespräch

 
Monika Dusong ist zuversichtlich, dass es den Samaritervereinen gelingen wird, ihre Attraktivität für neue Mitglieder zu steigern und den Weg in die Zukunft zu finden. Als Voraussetzung dazu sieht sie einen Kulturwandel: Weg vom Alleingang, hin zur Zusammenarbeit unter den Vereinen.
 
Seit gut einem Jahr präsidiert die ehemalige Neuenburger Staatsrätin Monika Dusong den Schweizerischen Samariterbund. Der Redaktion der Ver­bandszeitung schilderte sie ihre Einschätzung der Samariterorganisation nach ihrem ersten Amtsjahr.
 

Frau Dusong, kennen Sie schon alle Samariterabkürzungen?

Ich habe ein intensives Lehrjahr hinter mir, nicht nur was die Abkürzungen betrifft, – eine barbarischer als die andere und alles auf Deutsch und Französisch. Sind die wohl dafür da, den Grad der Integration eines Mitglieds – oder der Präsidentin – zu testen? Eine Vielzahl von Abkürzungen habe ich nun schon gelernt.
 
Welches Klima haben Sie in der Welt der Samariter angetroffen?

Ich erhielt die Gelegenheit, viele Personen zu treffen, Samariterinnen und Samariter vor allem, aber auch aus den andern Rotkreuzorganisationen und weiteren Partnern des Rettungswesens. Überall bin ich auf ein Klima gestossen, das geprägt ist von Herzlichkeit, Offenheit, von Grosszügigkeit und Engagement. Ich fühle mich wirklich wohl in diesen Kreisen und kann so mein Amt mit Herz und Seele ausüben.
 
Gab es schon wichtige Weichenstellungen in Ihrem ersten Amtsjahr?

Ja, es galt vor allem, die Arbeiten der Strategie 2012 zu lancieren und zu definieren, wohin die Reise gehen soll. Das gab zahlreiche intensive und interessante Diskussionen. Auch galt es, die Vereinskoordinatoren, diese neue Funktionsstufe, in die Struktur der Kantonalverbände und der Instruktoren des SSB einzugliedern. Da habe ich das Gefühl, dass es noch Zeit braucht, bis das Konzept, von dem ich überzeugt bin, greift und überall Wirklichkeit wird.
 
Welches sind die wichtigsten Ziele dieser Strategie?

Einerseits ist es zentral, dass die Samariterarbeit für viele Menschen attraktiv bleibt und andererseits müssen die Samaritervereine im Bereich der Erste-Hilfe-Ausbildung ihre Leaderposition behaupten können.
 
Welchen Eindruck erhielten Sie vom Zustand des SSB?

Ich habe den Eindruck einer Organisation erhalten, die mit modernen Methoden und Instrumenten arbeitet. Ich traf auf eine Unternehmenskultur, die von Respekt getragen ist und dem Willen, der Organisation kompetent und engagiert zu dienen.
Natürlich habe ich auch zur Kenntnis genommen, dass die Zahl der Mitglieder und die der Vereine sinkt. Aber mein Vertrauen in die Zukunft übersteigt die Bedenken, denn ich fand ein solides Fundament vor, auf dem sich eine Zukunft aufbauen lässt.
Für den SSB ist das Jahr 2007 das Jahr der Wende, weil die Entwicklungsphase der Strategie 2007 mit Erfolg abgeschlossen ist:

  • Die geplanten neuen Bevölkerungskurse im Baukastensystem sind fertig gestellt, die bestehenden aktualisiert, das Angebot stimmt.
  • Wir sind neu in der Lage, diese Kurse auch Firmen, Sportvereinen und Sportverbänden anzubieten.
  • Wir haben die geplanten Zertifizierungen erhalten.
  • Der Umbau unserer Kaderstrukturen geht plangemäss dem Ende entgegen.
  • Für die Samaritersammlung und das Mitgliedermarketing wurde – namentlich durch die «Impulstage» – die Unterstützung verstärkt.
 
Worauf ist zu achten, damit nicht weitere Samaritervereine verschwinden?

Erstens müssen wir die Chancen des neuen Kadersystems mit schmäleren und damit kleineren Aufgabenfeldern nutzen. Samaritervereine können jetzt ihre engagierten Mitglieder einladen, einmal als Assistentin oder Assistent SSB «Kaderluft» zu schnuppern oder als Kursleiterin oder Technischer Leiter SSB eine überschaubare Funktion zu übernehmen.
Wir müssen zweitens der Stärkung der Vorstände ebenso viel Gewicht beimessen wie der Aus- und Weiterbildung der Kader, denn gute Kader können nur in gut geleiteten Verbänden und Vereinen erfolgreich sein.
Drittens müssen wir das Eigenbrötlerische überwinden, die Zusammenarbeit verstärken und neue Formen der Zusammenarbeit entwickeln.
 
Wo sehen Sie Eigenbrötlereien im Samariterwesen?

Welche Gemeinde kann heute noch alle Aufgaben alleine erfüllen? Welche Firma macht heute alles selbst, um ja nie auf Zulieferer oder Partner angewiesen zu sein? Warum um Gottes Willen glauben wir, dass das im SSB anders sein könne als in Staat und Wirtschaft?
Was mich besonders trifft: Warum schauen wir als Spezialisten der Ersten Hilfe ungerührt zu, wenn Nachbarvereine Not leiden und um Hilfe bitten? Warum sterben Samaritervereine lieber, als dass sie sich einem Nachbarverein anschliessen? Warum verschleissen wir Energie in Alleingänge und Doppelspurigkeiten, wo wir doch alle wegen Überlastung klagen?
Ich rufe alle Samariterinnen und Samariter auf, die Kultur des Alleingangs zu überwinden und eine Kultur der Zusam­menarbeit und der Partnerschaft aufzu­bauen.
 
Hat der Samariterbund Mittel, um diesen Kulturwandel zu beschleunigen?

In unseren Kaderstrukturen ist mit der Funktion des Vereinskoordinators SSB ein wichtiges neues Element geschaffen worden. Ich bin überzeugt, dass die Vereinskoordinatorinnen und -kordinatoren in den kommenden Jahren in der Samariterorganisation eine Schlüsselrolle einnehmen werden:
  • Sie bauen ein Vertrauensverhältnis auf zu sechs bis zehn Samaritervereinen einer Region und begleiten diese kontinuierlich.
  • Sie vermitteln Lösungsansätze für Probleme, die innerhalb der einzelnen Vereine gelöst werden können.
  • Sie zeigen Chancen und Wege der Zusammenarbeit unter den Samaritervereinen auf und unterstützen diese bei der Verwirklichung solcher Vorhaben.
  • Sie sind da, wenn ein Samariterverein in Not gerät.
 
Haben Sie denn Vorstellungen vom Samariterverein der Zukunft?

Ja, ich habe die Vision von Samaritervereinen, die unter sich Arbeitsteilungen oder Arbeitsgemeinschaften vereinbaren.
Ich habe die Vision von Samaritervereinen, bei denen es nicht für 20 Mitglieder einen Vorstand, einen Kassier, Rechnungsrevisoren und allen formellen Klimbim eines eigenständigen Vereins braucht; im SSB ist wahrscheinlich jedes vierte Mitglied entweder im Vorstand oder Kader – eine riesige Quote! Braucht es das?
Ich habe die Vision von Samaritervereinen, die nicht nur aktuelles Fachwissen der Ersten Hilfe nach modernsten Ausbildungsmethoden vermitteln, sondern sich selbst in zukunftstauglicher Form organisieren.
Ich habe die Vision von Vereinskadern, die sich während einiger Jahre auf ein Thema konzentrieren, dieses für eine ganze Region betreuen und damit ihre Einarbeitung viel intensiver nutzen.
Ich habe die Vision von Offenheit, von Lust auf Neues, von Lust auf Erfolg, gemeinsam mit Partnern. Dies wünsche ich mir auch für die Kantonalverbände des SSB, denn auch sie stehen vor Chancen der Zusammenarbeit unter sich – und mit unseren Partnern in der SRK-Gruppe, namentlich mit den Kantonalverbänden des SRK.
 
Sind Ihre Visionen nicht weit weg von der Realität?

Hoffentlich nicht! Wir müssen alles daran setzen, die Attraktivität des Samariterwesens zu steigern und sichtbar zu machen und wir müssen alles daran setzen, unsere Führungs- und Kaderstrukturen so zu entwickeln, dass wir in der Lage sind, das attraktive Samariterwesen zu verwirklichen.
Natürlich stellt diese Zielsetzung für uns sicherlich eine Herausforderung dar, sie wird uns nicht einfach in den Schoss fallen, aber ich weiss, dass wir es schaffen können und mit vereinten Kräften auch schaffen werden. Wie eingangs erwähnt, ist meine Zuversicht weit grösser als meine Bedenken – und ich hoffe, dass meine Zuversicht und mein Tatendrang alle Samariterinnen und Samariter anstecken und mitreissen.

Interview: Eugen Kiener
 

Partner
  • Logo Zewo
  • Rettungsorganisation des SRK Logo Schweizerisches Rotes Kreuz