Schweizerischer Samariterbund
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Patiententransporte bei Postendiensteinsätzen

Wenn Patienten zum Arzt oder ins Spital transportiert werden müssen und keine Ambulanz zur Stelle ist.

Ein Samariterverein hat dem Schweizerischen Samariterbund (SSB) folgende Rechtsfrage zugeschickt:

Unser Verein besitzt kein eigenes Auto. Bei Postendiensten beauftragten wir bis anhin den Veranstalter, ein Auto mit Fahrer bereitzustellen. Partyveranstalter, die unsere Dienste beanspruchen, wollen aber meist keinen Fahrer stellen, sind aber bereit ein Taxi (Kosten zu Lasten des Patienten) zu organisieren.

Die Fragen:

  • Ist der Samariterverein verpflichtet den Patienten durch einen Samariter zu begleiten, bis der Patient in ärztliche Betreuung abgegeben werden kann?
  • Oft handelt es sich um alkoholisierte und dadurch unzurechnungsfähige Personen. Kann auch eine bekannte Person des Patienten als Begleitung eingesetzt werden?


Ein vertragliches Betreuungsmandat

Der Rechtsberater des SSB meint zur Frage des rechtlich korrekten Vorgehens bei der Betreuung von Patienten:

Wenn die Samariter einen Patienten auf dem Sanitätsposten aufnehmen, entsteht entweder ein vertragliches Betreuungsmandat (wenn der Patient um Hilfe bittet) oder ein gleichartiges Rechtsverhältnis als Geschäftsführung ohne Auftrag (wenn der Patient nicht mehr artikulieren kann, was er will). 

In beiden Fällen gilt es zu tun, was der Schutz der Gesundheit der betroffenen Person gebietet. Die dadurch anfallenden Kosten dürfen dieser Person aber angelastet werden, namentlich wenn sie selbst verantwortlich ist für ihren Zustand (Alkoholexzess). Das gilt einerseits, wenn die Betreuung länger dauern muss als der Sanitätsdienst geplant ist und anderseits für Transportkosten.


Zum Arzt, ins Spital oder nach Hause

Sofern es nicht möglich ist, Polizei oder Ambulanz zu mobilisieren wird empfohlen:

  • Patienten, die nicht mehr kommunizieren können oder sonst in kritischem Zustand zu sein scheinen, zu einem Arzt oder ins Spital zu bringen, damit ein Arzt entscheiden kann, ob man die Person nach Hause bringen und alleine lassen darf oder medizinisch überwachen muss; in ungefährlichen Fällen kann man die Leute nach Hause bringen, falls sie am Ende der Veranstaltung nicht alleine heimgehen können.
  • diese Transporte mit einem Taxi durchzuführen, dabei aber bei Bedarf einen versierten Samariter mitzuschicken, der den Patienten beobachtet und bei Bedarf eingreift. In diesem Fall muss das Taxi den Samariter auch wieder zum Veranstaltungsort zurück bringen. Wollte man solche Transporte nur mit Samaritern durchführen, müsste man den Postendienst entsprechend personell stärker dotieren, was den Veranstalter belastet und oft teurer sein dürfte. 


Zusatzkosten dem Patienten verrechnen

Die anfallenden Transportkosten und allfällige Zusatzkosten für verlängerte Einsatzzeiten können dem Patienten verrechnet werden; dabei ist es einfacher, wenn er an Ort gleich bezahlt, als wenn man ihm eine Rechnung schicken muss. Falls man das Geld eigenmächtig aus dem Portemonnaie des Patienten nimmt, muss man darauf achten, dass dies vor glaubwürdigen Zeugen geschieht – ideal sind da Kolleginnen oder Kollegen der betroffenen Person, deren Personalien man erfassen muss.

Findet die Veranstaltung an einem Ort statt, an welchem kein Taxi zur Verfügung steht und das Privatauto eines Samariters verwendet werden muss, können dem Patienten ebenfalls Fahrkosten verrechnet werden. Ebenso Reinigungskosten für den Fall, dass sich der Patient im Auto erbricht.


Postendienst personell aufstocken

Sofern von Anfang an klar ist, dass es ein Postendienst wird, an welchem mit sehr viel alkoholisierten Patienten zu rechnen ist, wird empfohlen, den Postendienst personell entsprechend höher zu dotieren und allenfalls auch ein Ausnüchterungszelt aufzustellen (das machen teilweise andere Vereine so, wie ich in Erfahrung bringen konnte), in dem die Patienten von Samaritern betreut werden. Dies erhöht zwar die Kosten für den Postendienst. Es ist davon auszugehen, dass die Eintrittspreise solche Mehrkosten locker decken werden.

Sollte nach harten Verhandlungen ein Veranstalter nicht einsehen, dass es das braucht, was die Samariter als notwendig für den Postendienst erachten, dann gibt es meines Erachtens nur eines: den Auftrag ablehnen. Indem der Veranstalter einen Samariterverein mit dem Postendienst beauftragt, übergibt er dem Samariterverein die Verantwortung für die richtige Betreuung der Patienten.

Schweizerischer Samariterbund, November 2010

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