Schweizerischer Samariterbund
Schweizerischer Samariterbund
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Kursleiter und ihre Pflicht zur Loyalität


Wer Kurse in Erster Hilfe erteilt, stützt sich ab auf Aus- und Weiterbildungen, Zertifizierungen und Unterrichtsmittel, die vom SSB zur Verfügung gestellt werden. Kursleiterinnen und Kursleiter SSB können deshalb nicht ohne Zustimmung ihres Vereins aktiv sein.

Es soll vorkommen, dass Samaritervereine gar nicht wissen, was ihre Kursleiter/innen tun, weil diese selbständig Kurse organisieren und auf eigene Rechnung durchführen. Es fragt sich, ob das zulässig ist ohne Zustimmung des Samaritervereins.

Ziele der Samaritervereine
Samaritervereine setzen sich als lokale Exponenten des SSB dafür ein, die Bevölkerung auszubilden in Erster Hilfe. Sie wollen, dass jedermann nach Unfällen rasch und richtig reagieren und sinnvoll helfen kann. Deshalb möchten die Samaritervereine in der Regel möglichst viele Kurse anbieten.

Erwartungen der Kursbesucher
Teilnehmer eines Ersthilfekurses sowie Firmen oder Sportvereine, die ihre Angestellten oder Trainer ausbilden lassen in Erster Hilfe, erwarten von Kursleiterinnen und Kursleitern eine fachlich korrekte und methodisch wirkungsvolle Ausbildung, abgestützt auf gute Unterrichtsmittel und Unterlagen sowie einen anerkannten Kursausweis.
Wenn Kursbesucher auf direktem oder indirektem Weg erfahren, dass die Kurserteilung durch eine beim Samariterbund tätige Person erfolgt, dann vertrauen sie darauf, dass der Samariterbund resp. der lokale Samariterverein letztlich für dessen Qualität bürgt.
Wer als Kursleiterin oder Kursleiter Unterrichtsmittel des SSB verwendet und Ausweise des SSB abgibt, präsentiert sich in den Augen seiner Kursteilnehmer als Repräsentant des SSB. Wer im Arbeitstenue des Samaritervereins oder als zertifizierte Kursleiterin auftritt, tut dies ebenfalls. Wer sich mit Lorbeeren des SSB schmückt, darf nicht so tun, als ob seine Kurserteilung mit dem SSB resp. dem Samariterverein nichts zu tun habe – das wäre unlauter.

Wie Teilzeitangestellte
Gewählte Kursleiterinnen der Samaritervereine sind wie Teilzeitangestellte verpflichtet, den Samariterverein zu informieren über Kurserteilungen im Auftrag anderer Organisationen und selbst organisierte Kurse. Sie dürfen dies ohne Zustimmung ihres Samaritervereins nicht tun. Man kann nicht Kursleiterin des Samaritervereins sein und diesen gleichzeitig konkurrenzieren oder sich von der Konkurrenz engagieren lassen.
Auch die Haftpflichtversicherung des SSB kann nicht beansprucht werden bei Kursen, die ohne Zustimmung des Samaritervereins durchgeführt werden.

Legitime Anliegen der Samaritervereine
Samaritervereine beteiligen sich in aller Regel an den Kosten der Ausbildung der Kursleiter mit Beiträgen zwischen CHF 5'000.- bis CHF 10'000.- (falls noch ein Lohnausfall vergütet wird). Anschliessend tragen die Samaritervereine, Kantonalverbände und die Zentralorganisation die Kosten der jährlichen Weiterbildung und stellen die Kursunterlagen zur Verfügung. Eine Kursleiterin muss zahlreiche Kurse erteilen, bis diese (Vor-)Leistungen amortisiert sind. Es ist also legitim, wenn Samaritervereine finanziell davon profitieren möchten, wenn Kursleiter Kurse durchführen.
In der Vergangenheit haben Samaritervereine zum Teil murrend akzeptiert, dass ihre Kursleiterinnen auch auf eigene Rechnung Kurse erteilten. Diesbezüglich ist zu beachten, dass Kursleiter ihre Zertifizierung bei ResQ via SSB erhalten und somit auch verlieren, falls sie zum Beispiel wegen Streitigkeiten um ihre private Kurstätigkeit ihre Funktion im Verein nicht mehr ausüben können (was auch zur Folge hätte, dass sie keine Kursunterlagen des SSB mehr verwenden dürften). Die Samaritervereine können daher heute mehr Loyalität verlangen als früher.

Legitime Interessen der Kursleiter
Ein offenbar wachsender Teil der Kursleiterinnen erblickt in der Erteilung von Ersthilfekursen eine Chance zum Nebenerwerb. Daran ist nichts auszusetzen und Samaritervereine sollten ihre Kursleiterinnen daran im Prinzip nicht hindern. Wer Zeit investiert in Aus- und Weiterbildung, möchte das Gelernte auch nutzen – und Kurserteilung entspricht, wie eingangs vermerkt, durchaus den Zielen der Samaritervereine.

Reden miteinander!
Samaritervereine erwarten, dass sich ihre Kursleiterinnen auch für den Verein engagieren, indem sie z.B. mithelfen, das attraktive Vereinsleben zu verwirklichen, das die Mitgliederbasis des Vereins stärkt.
Dem stehen die limitierten zeitlichen Ressourcen der Kursleiter gegenüber.
Kursleiterinnen möchten ihr Einkommen aufbessern mit der Kurserteilung – die Samaritervereine sind bestrebt, die durch Kursleiterinnen verursachten Kosten dank Erträgen aus Kursen zu decken und von den Kursgeldern etwas abzuzweigen zur Finanzierung der Führung und des Betriebs des Vereins.
Die einen führen Kurse durch, andere leisten Postendienst oder organisieren Vereinstrainings oder den Vereinsausflug – alles kostet Zeit und Geld – und am Schluss müssen alle finden, die Regelung sei fair.
So einfach und klar ist das theoretisch, und so kompliziert ist es für uns Menschen praktisch – und dennoch unumgänglich.  

Kurt Sutter, Zentralsekretär SSB

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