Schweizerischer Samariterbund
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Freiwilligenarbeit im gesellschaftlichen Wandel


Die gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für uneigennütziges freiwilliges Engagement haben sich in den letzten Jahrzehnten stark gewandelt. Die Strategie 2012 trägt diesem Wandel mit der modularisierte Ausbildung im Baukastensystem (MAB) und der Option von Teilprofessionalisierungen Rechnung.

Vergleichen wir die Gegebenheiten unserer heutigen Lebensgestaltung mit der Situation vor 30 bis 50 Jahren, so konstatieren wir

grundlegende Veränderungen
Wer in Olten wohnt, verbringt den Abend im Kino in Zürich, im Theater in Bern oder Basel oder in einer Disco in Aarau. Wir sind wesentlich mobiler geworden und gestalten unseren Alltag grossräumiger als früher – damit auch anonymer. Es gibt weniger sozialen Druck – wir können unser Leben eigenverantwortlich gestalten, sofern wir wirtschaftlich auf eigenen Beinen stehen.
Wir haben höhere Löhne bei kürzerer Arbeitszeit und verlängertem Arbeitsweg. Den grösseren Wohlstand bezahlen wir durch mehr Hektik und das Gefühl verstärkten Leistungsdrucks.
Insgesamt ist der Wunsch nach einem interessanten und erfüllten Leben heute Richtmass unserer Lebensgestaltung.

Sozialzeit wird zu Sozial-Konsumzeit
Das Denkmodell, welches unterscheidet zwischen

  • Arbeitszeit, die wir benötigen, um die Mittel zu erwirtschaften, mit denen wir unseren Lebensunteralt bestreiten
  • Selbstzeit, die der Erholung dient
  • Sozialzeit, die wir zur Pflege sozialer Kontakte respektive zwischenmenschlicher Beziehungen einsetzen – z.B. in einem Verein - erfährt einen Wandel, indem es immer mehr Sozialzeit-Konsum gibt, zu dessen Bereitstellung andere Leute ihre Arbeitszeit einsetzen.

Bezahlung für Sozialzeit-Konsum
Die Zahl derjenigen, die viel Kraft und Zeit einsetzen und ohne Anspruch auf eine Vergütung kontinuierlich ein Vereinsleben ermöglichen, sinkt. Die Belastung der Verbleibenden, die als Motor wirken, nimmt zu. Im Gegenzug nehmen die Konsumenten dieses Leistungsangebot als eine unter vielen Varianten des Freizeitkonsums wahr. Verbringe ich den Abend in einem In-Lokal, beim Sportclub, im Fitness-Center oder an einer Übung im Samariterverein? Wo erlange ich wie viel als Beitrag zu meinem erfüllten Leben und wo muss ich wie viel dafür bezahlen?

Und die Samaritervereine?
Die Strategie 2012 strebt gemäss ihrer ersten Stossrichtung ein für die Aktivmitglieder der Samariter-vereine attraktives Vereinsleben an. Die zweite Hauptstossrichtung der Strategie zielt darauf ab, die vorhandenen personellen Kräfte optimal zu nutzen, um das attraktive Vereinsleben zu verwirklichen. Das Projekt MAB eröffnet die Möglichkeit, die Führungs- und Kaderfunktionen im Samariterverein auf mehr Schultern zu verteilen. Damit sollte sich der Kreis von Aktivmitgliedern, die bereit und in der Lage sind ihre Mitarbeit anzubieten, vergrössern.
Sofern die Aktivmitglieder eines Vereins sich aber als Sozialzeit-Konsumenten verstehen, wird der Weg zur Teilprofessionalisierung der Führungs- und Kaderfunktionen führen. Diese muss von den Aktivmitgliedern finanziert werden, indem sie Mitgliederbeiträge entrichten oder Einsätze leisten bei Postendiensten, Blutspendeaktionen oder im KSD, von denen der Samariterverein finanziell profitiert.

Kurt Sutter, Zentralsekretär SSB


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