Schweizerischer Samariterbund
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Aspiration beim Kind

Allgemeines und Ursachen

Wenn ein Fremdkörper in die Luftwege gelangt, reagiert das Kind sofort, indem es hustet, um den Fremdkörper auszustossen. Spontanes Husten hat grössere Erfolgsaussichten und ist sicherer als jedes Rettungsmanöver. Wenn das Husten jedoch ausbleibt oder erfolglos ist und der Fremdkörper die Atemwege vollständig verlegt, ist das Kind rasch von Erstickung bedroht. Eine aktive Intervention zur Befreiung der Atemwege von Fremdkörpern ist daher nur erforderlich, wenn das Husten erfolglos bleibt. Wenn dies jedoch der Fall ist, muss die Intervention schnell und sicher erfolgen. Die meisten Erstickungsunfälle von Säuglingen und Kindern geschehen beim Spielen oder Essen; in der Regel ist eine Person anwesend die das Kind beaufsichtigt. Es gibt also meist einen Zeugen für den Zwischenfall, und die Intervention wird in der Regel begonnen, während das Kind bei Bewusstsein ist.
Zu erkennen ist eine Atemwegsverlegung durch Fremdkörper an plötzlich einsetzender Atemnot in Verbindung mit Husten, Würgen oder pfeifenden Atemgeräuschen. Eine Fremdkörperaspiration ist dann in Betracht zu ziehen, wenn die Anzeichen sehr plötzlich eingetreten sind und dass das Kind  unmittelbar vor dem Eintritt der Symptome gerade gegessen oder mit kleinen Gegenständen gespielt hat.

Symptome

  • Plötzliches Würgen, Keuchen und/oder Husten
  • Deutliches Atemgeräusch beim Ein-und Ausatmen
  • Atemnot
  • Kleinkinder umgreifen evtl. den Hals mit den Händen
  • Panik
  • Können nicht mehr schreien und sprechen
  • Blauverfärbung der Lippen und der Haut

Erste Hilfe

1. Sicherheit und Alarmieren

  • Sicherheit ist das Wichtigste: der Retter darf sich nicht selbst in Gefahr bringen und muss die sicherste Vorgehensweise für das erstickende Kind wählen.
  • Wenn das Kind effektiv hustet, ist kein Eingriff durch Aussenstehende erforderlich. Das Kind soll ermuntert werden weiter zu husten. Es muss stetig überwacht werden.
  • Stellen Sie fest, ob das Kind noch bei Bewusstsein ist, wenn es nicht mehr hustet.
  • Alarmieren

2. Kind/Säugling mit Fremdkörperaspiration ist bei Bewusstsein

  • Wenn das Kind noch bei Bewusstsein ist, jedoch nicht oder nur ineffektiv hustet, wird das Heimlich-Manöver angewendet.
  • Wenn der Säugling noch bei Bewusstsein ist, werden Schläge zwischen die Schulterblätter ausgeführt (siehe T01.S10, Seite 06).Sollte dies keine Befreiung der Atemwege bewirken, führt man bei Säuglingen Thoraxkompressionen durch. Dabei entsteht eine Art künstlicher Husteneffekt, der den Druck im Brustkorb erhöht und zum Ausstoss des Fremkörpers führt.

3. Kind mit Fremdkörperaspiration ist bewusstlos

Wenn das Kind nach der Fremdkörperaspiration bewusstlos ist oder wird, legt man es auf eine feste, ebene Oberfläche. Wenn noch keine Hilfe da ist, muss nach Hilfe gerufen werden oder jemand geschickt werden. Ein Kind ist in dieser Phase nie alleine zu lassen. Das Vorgehen ist folgendermassen:

  • Der Mund des Kindes wird geöffnet und es wird nach Fremdkörpern darin gesucht. Wenn ein Fremdkörper zu sehen ist, versucht man ihn mit einem einzigen Fingerstrich auszuwischen. Es darf nicht  versucht werden blind oder wiederholt, den Fremdkörper mit dem Finger zu befreien; der Fremdkörper könnte dadurch noch tiefer in den Rachen treiben und Verletzungen hervorrufen.
  • Die Atemwege werden geöffnet, indem der Kopf überstreckt und das Kinn angehoben wird. Nun werden zwei effektive Beatmungsstösse ausgeführt. Die Wirkung jedes Atemzugs muss begutacht  werden; wenn sich bei einem Atemzug der Brustkorb des Kindes nicht hebt, muss der Kopf neu positioniert werden, bevor man es erneut versucht.
  • Wenn die zwei Atemzüge keine Wirkung zeigen (Bewegung, Husten, Spontanatmung), wird mit der Thoraxkompression begonnen.
  • Die Herz-Lungen-Wiederbelebung wird im Zyklus 30:2 weiter durchgeführt.
  • Vor jeder Beatmung muss der Mund inspiziert werden.
  • Wenn ein Fremdkörper zu sehen ist, versucht man ihn mit einem einzigen Fingerstrich auszuwischen.
  • Wenn es scheint, als sei die Verlegung der Atemwege beseitigt, öffnet und untersucht man die Atemwege wie oben beschrieben; wenn das Kind nicht atmet, muss es beatmet werden.
  • Wenn das Kind das Bewusstsein wiedererlangt und spontan wirkungsvoll atmet, bringt man es in eine sichere Seitenlage und überwacht seine Atmung und sein Bewusstsein, bis der Rettungsdienst eintrifft.

Massnahmen

Schläge zwischen die Schulterblätter

Beim Säugling werden die Schläge zwischen die Schulterblätter folgendermassen ausgeführt:

  • Der Säugling wird mit dem Kopf nach unten in Bauchlage gehalten, damit die Schwerkraft zur Entfernung des Fremdkörpers beitragen kann.
  • Im Sitzen oder Knien sollte der Retter in der Lage sein, den Säugling sicher auf dem Schoss zu halten.
  • Der Kopf des Säuglings wird gestützt, indem der Daumen der einen Hand auf den Winkel des Unterkiefers gelegt wird und ein oder zwei Finger derselben Hand auf den gleichen Punkt auf der anderen Seite des Kiefers.
  • Es ist darauf zu achten, keinen Druck auf die Weichteilgewebe unter dem Kinn des Säuglings auszuüben; hierdurch würde die Atemwegsobstruktion noch verstärkt.
  • Nun werden bis zu fünf scharfe Schläge mit dem Handballen in die Rückenmitte zwischen die Schulterblätter gegeben.
  • Es ist das Ziel jedes Schlags, die Verengung zu beseitigen; es geht nicht darum, alle fünf Schläge zu vollenden.

Bei Kindern ab einem Jahr werden die Schläge zwischen die Schulterblätter folgendermassen ausgeführt:Die Schläge zwischen die Schulterblätter zeigen mehr Wirkung, wenn das Kind mit dem Kopf nach unten positioniert ist.

  • Kleine Kinder können auf den Schoss gelegt werden wie oben für Säuglinge beschrieben.
  • Ist dies nicht möglich, wird das das Kind in vorwärts gebeugter Haltung gestützt. Die Schläge werden von hinten ausgeführt.

Thoraxkompressionen für Säuglinge

  • Der Säugling wird in Rückenlage mit dem Kopf nach unten gebracht. Um diese Position sicher zu halten, wird der freie Arm unter den Rücken des Säuglings gelegt und die Hand um den Hinterkopf.
  • Der Säugling wird auf diese Weise durch den Arm geschützt auf dem Oberschenkel des Helfers gelagert.
  • Der Punkt für die Herzdruckmassage wird aufgesucht.
  • Nun werden fünf Thoraxkompressionen gegeben; ähnlich wie bei der Herzdruckmassage, jedoch ruckartiger und mit grösserem Abstand.

  

Heimlich-Manöver bei Kindern ab einem Jahr

Der Helfer kniet oder steht hinter das Kind.

  • Die Arme des Helfers werden unter den Armen des Kindes durchgeführt und um den Rumpf des Kindes gelegt.
  • Nun wird eine Faust geballt und zwischen Bauchnabel und Schwertfortsatz gelegt.
  • Der Helfer umfasst seine Faust mit der anderen Hand und zieht ruckartig nach innen und oben.
  • Dieses Manöver wird bis zu fünfmal wiederholt.
  • Es ist darauf zu achten dabei keinen Druck auf den Schwertfortsatz oder den unteren Brustkorb auszuüben; hierdurch könnten Verletzungen des Bauches hervorgerufen werden.

Wenn der Fremdkörper immer noch nicht ausgestossen wurde und das Kind noch bei Bewusstsein ist, wird die Abfolge von Schlägen zwischen die Schulterblätter und Thoraxkompressionen bei Säuglingen bzw. Heimlich-Manöver bei Kindern fortgesetzt. Das Kind darf in dieser Situation nicht allein gelassen werden. Wenn der Fremdkörper ausgestossen wurde, soll das Kind beim Arzt untersucht werden: es ist möglich, dass ein Teil des Fremdkörpers in den Atemwegen verblieben ist und später Komplikationen verursacht.

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